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Geschichte der Festung Ehrenbreitstein

Der Plan zu ihrer Erbauung stammt von dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. Gleich nach dem Wiener Kongress und der Flucht Napoleons von Elba hatte er den Aufbau der Festung als Teil einer antifranzösischen Wehrlinie befohlen. Bis zu 6.500 Handwerker und Tagelöhner trieben den gigantischen Bau damals voran. Sie machten ihn bis 1828 zum Kernstück eines ganzen Festungsringes rund um Koblenz. Dadurch entwickelte sich die Stadt im 19. Jahrhundert zu einer der großen Militärgarnisonen des Kontinents – und blieb es bis ins späte 20. Jahrhundert.

Ansicht des Ehrenbreitstein von 1549 | Sebastian Münsters Cosmographie | LMK

Insgesamt acht Mal wurde die Festung Ehrenbreitstein ab 1830 auf ihre volle Gefechtsstärke von 1.500 Mann und 80 Geschützen mobilisiert. Doch in relevante Kampfhandlungen wurde sie selbst im deutsch-französischen Krieg 1870/71 nicht verwickelt. Der Festung Ehrenbreitstein blieb die praktische Nagelprobe auf ihre Kriegstauglichkeit erspart. Sie wurde nie zerstört.

Moderne Kriegsführung und Waffentechnik verdammten die Festung schon bald nach ihrer Fertigstellung zu strategischer Bedeutungslosigkeit. Die Festung stellt ein durch und durch nach militärischen Gesichtspunkten konstruiertes Bauwerk dar, geliebt wurde sie jedoch vor allem als Aussichtspunkt: Die klassizistische Bauästhetik, der Blick ins Tal, das die Rhein-Landschaft prägende Monument inspirierten Maler und Dichter.

Wehrhafte Besiedelung seit grauer Vorzeit

Auf drei steilen Bergflanken thronend wirkt die Festung von der Rhein-Seite her uneinnehmbar. Ihre natürliche Schwachstelle zeigt sich jedoch auf der Rückseite, das sanft zum Westerwald hin ansteigende Plateau. Das weite, offene Gelände ohne jedes natürliche Hindernis ist geradezu eine Einladung für Angreifer. Zur Preußenzeit wie schon Jahrtausende zuvor wurden deswegen Schutzvorkehrungen gebaut. Bei archäologischen Grabungen im Festungsbereich wurden unlängst Gräben und Holzpalisaden entdeckt, die wahrscheinlich bronzezeitliche Menschen schon vor 5.000 Jahren zum Schutz ihrer Siedlungen auf dem Ehrenbreitstein in Richtung nördliches Plateau errichtet hatten.Ähnlich verfuhren die Erzbischöfe von Trier im Mittelalter, nachdem ihnen vom Reich die Hoheit über Koblenz und die Mittelrhein-Region zugesprochen worden war. Anfang des 11. Jahrhunderts begannen sie, eine auf dem Ehrenbreitstein bereits vorhandene kleine Burg zum wehrhaften Zentrum ihrer Macht am Rhein auszubauen. Ein Jahrhundert danach ließ Bischof Hillin einen gewaltigen Bergfried errichten und die Nordflanke durch den nach ihm benannten Hellengraben sichern. Weitere Ausbaustufen folgen. 400 Jahre später strotzte unter Erzbischof Richard von Greifenklau die Nordfront des Ehrenbreitstein von steinernen Wehrwerken. Die Trierer Herren beherrschten das Rhein-Mosel-Eck mit einer der raffiniertesten Festungsanlagen ihrer Zeit – armiert mit allem, was zeitgenössische Waffentechnik zu bieten hatte. Darunter der “Vogel Greif”, im 16. Jahrhundert eine der größten Pulverkanonen Europas und heute viel bestauntes Ausstellungsstück.

Vogel Greif, 1524 | Generaldirektion Kulturelles Erbe
Die Übertragung des Hl. Rocks auf die Festung am 6. April 1765 | Aus: Marianne Schwickerath: Wo stand eigentlich die Philippsburg, Görres Verlag

Der “Heilige Rock" aus Trier in Koblenz

Die Trierer Bischöfe logierten gern und ausdauernd auf dem Ehrenbreitstein. Unter anderem brachten sie auch ihre berühmte Reliquie, den Heiligen Rock, wiederholt für Jahre in Koblenz unter.

Besucher, die die Festung heute vom Hochplateau her durchs Feldtor betreten, stehen zuerst meterdicken, himmelhohen, bedrohlichen Wehrmauern aus blankem Bruchstein gegenüber. Graben und Mauer. Dahinter das gleiche noch einmal. Tunnel, Brücken, Tore verschließen und verbinden die Verteidigungslinien. Überall sind Schießscharten oder die großen Mauermäuler einstiger Kanonenbatterien. Hat man das Labyrinth der nördlichen Befestigungen durchschritten, öffnet sich überraschend die lichte Weite des Oberen Schlosshofes. Die im klassizistischen Stil gehaltenen Gebäude dort sind hellgelb verputzt abgesetzt: Urplötzlich verliert die Festung hier ihren martialischen Charakter, wird zum attraktiven Höhenschloss.

Militärische Zwecke an jeder Ecke

Doch der zivile Anschein täuscht. Schon die Namen der umliegenden Bauten verweisen auf ihre stets auch militärische Bedeutung: Hohe Ostfront, Terrassenbatterie, Rheinbastion... Überhaupt enthüllt bei näherem Hinsehen bald jede Ecke, jeder Stein, jede Treppe, jedes Utensil einen militärischen Zweck. Wohnstuben mit Herd entpuppen sich als Geschützstellungen, vermeintliche Speise- oder Weinkeller als Pulverlager. An Wandhaken hingen im Verteidigungsfall statt der vermeintlichen Schinken Seilzüge für den Munitionstransport. Selbst die Festungskirche ließ sich mit wenigen Handgriffen zur Musketenbatterie umfunktionieren.

Ansicht von Ehrenbreitstein von Süden nach der Zerstörung, Sir John Carr, 1807 | LMK A.679.96
Ansicht von Coblenz und  der Festung Ehrenbreitstein vor der Zerstörung, C.A. Günher sc, 1805 | LMK 1409.95

Im Gegensatz zur preußischen Festung war deren kurtrierischer Vorläufer vor allem im 17. und 18. Jahrhundert etlichen schweren Eroberungsversuchen ausgesetzt. Dank des natürlichen Schutzes durch die drei Steilhänge an der Rheinseite und der baulichen Verteidigungsfront auf dem Plateau wurde der Ehrenbreitstein allerdings niemals im Wortsinne “erstürmt”. Im 30-jährigen Krieg ergaben sich die Koblenzer Festungssoldaten dem Ansturm des französischen Heerführers Johann von Werth (genannt Jan von Werth und auch Jean de Werth) erst nach langer Belagerung – und das nur, weil sie andernfalls verhungert wären. Auch die von 1794 an vier Mal gegen Ehrenbreitstein anrennenden französischen Revolutionsarmeen mussten erfahren, dass die Feste im Sturm nicht zu nehmen ist. Erst Aushungern und Verrat führten 1799 zur Übernahme und 1801 zur Sprengung durch die Franzosen. Bis 16 Jahre später an gleicher Stelle die Preußen mit dem Bau ihrer Festung begannen, diente das Trümmerfeld der Koblenzer Metzgerszunft als Viehweide.

Kulturgeist bewahrt die Preußenfestung vor der Schleifung

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges spielte die Festung Ehrenbreitstein militärisch schon längst keine Rolle mehr. Nach dem Krieg wäre sie 1922 trotzdem beinahe ein Opfer der Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages geworden. Glücklicherweise bewirkten Eingaben von Einheimischen und dem amerikanischen Besatzungsoffizier General Henry T. Allen schließlich, dass die Festung wegen ihrer kulturhistorischen, architektonischen und landschaftsprägenden Bedeutung verschont wurde.

Nach Jahrhunderten der Wehrhaftigkeit endgültig demobilisiert, ist die Festung Ehrenbreitstein heute ein Ort friedlicher Begegnung für Menschen aus aller Welt. Ein Ort der schönen Ausblicke, spannenden Einblicke, aber auch mahnenden Rückblicke. Nicht nur für sich genommen ist die Festungsanlage über Rhein und Mosel ein historisches Zeitzeugnis ersten Ranges. Zusammen mit dem Deutschen Eck bildet sie als den Rhein überspannendes Ensemble zugleich das nördliche Tor zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

 

Contregarde bei Nacht | Foto LMK

Mit freundlicher Genehmigung von www.festungehrenbreitstein.de